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ALLF e.V. bei Arbeit und Leben Niedersachsen

Der "Aktuelle Bildungsdiskurs" der ARBEIT UND LEBEN FREUNDE UND FÖRDERER fand vom 26. bis zum 28. Mai 2026 in Hannover bei Arbeit und Leben Niedersachsen statt.

Kommt man nach Niederachsen und in die Landeshauptstadt Hannover, egal ob mit dem Zug, dem Auto, mit dem Fahrrad oder zu Fußüberall begegnen einem große Werbetafeln mit dem neuen Leitspruch des Bundeslandes: "Niedersachsen Das ist groß.‘ Und das trifft auch auf die Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit und Leben Niedersachsen zu. Nachdem wir im vergangenen Jahr die Landesarbeitsgemeinschaft Nordrhein-Westfalen besucht haben, fand der bildungspolitische Diskurs 2026 in Hannover bei der Landesarbeitsgemeinschaft Niedersachsen, eine der Keimzellen von Arbeit und Leben und die zurzeit größte LAG im Verband statt.

Auf unsere Anfrage hin hat sich der Geschäftsführer Maximilian Schmidt sofort bereit erklärt, gemeinsam mit ALFF e.V. die Jahrestagung 2026 in der Zentrale der Landesarbeitsgemeinschaft in Hannover zu gestalten. In enger Zusammenarbeit mit dem Referenten der Geschäftsleitung, Joel Balazsi-Kraus und weiteren Kolleg:innen des Teams vom Standort Hannover und der Region wurde für die zweitägige Veranstaltung ein Programm geboten, dass einen Einblick in die komplexe Struktur der LAG, die inhaltliche Ausrichtung in politischer, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht sowie die Vielfalt der Angebote ermöglichte und Anlass zu intensiven Diskussionen bezüglich der jeweiligen Ansätze und Ausrichtungen gab. Eine gelungene Tagung der kurzen Wege, der hervorragenden Rahmenbedingungen, der tiefen Einsichten und vielfältigen Debatten, für die wir uns auch an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei der Leitung und den Kolleg:innen der Landesarbeitsgemeinschaft bedanken.

Das Programm umfasste drei Schwerpunkte.
Einmal die Entwicklung der Einrichtung, die Bandbreite der Arbeitsfelder sowie die Herausforderungen interessenbezogener politischer Bildung im Spannungsfeld der aktuellen politische Rahmenbedingungen.
Präsentationen aus laufenden Projekten und Angeboten (Projekt „Über Hassreden“, Pro-Aktiv-Center in der Region Hannover sowie ein Stadtrundgang im Stadtteil Linden als Beispiel eines Bildungszeitangebotes).
Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden von Arbeit und Leben Niedersachsen e.V., Mehrdad Payandeh, bis zum Ende 2025 Vorsitzender des DGB-Bezirks Niedersachsen/Bremen, über Perspektiven, Chancen und Problemlagen der Einrichtung.

Doch zurück zum Ausgangspunkt: die Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit und Leben Niedersachsen, das Bildungs- und Beratungsunternehmen der Gewerkschaften in – mittlerweile – drei Bundesländern, Niedersachen, Sachsen-Anhalt und Bremen. Engagement in der politischen, beruflichen und allgemeinen Bildung, Beratung, Erarbeitung und Begleitung innovativer Ansätze in unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Feldern. Zurzeit etwa 350 Kolleg:innen, die an mehr als 20 Standorten im Einsatz sind. Sie erreichen in rund 2.000 Veranstaltung, Seminaren und Beratungen mehr als 30.000 Teilnehmende in ca. 224.000 Unterrichtsstunden (bezogen auf das Jahr 2024 nach Niedersächsischem Erwachsenenbildungsgesetz). Soweit ein kurzer Überblick zu der Einrichtung bzw. dem Unternehmen, das Arbeit und Leben Niedersachsen mit seinen Gliederungen von gGmbHs, GmbHs und Beteiligungen unter dem Dach des Vereins Arbeit und Leben Niedersachsen heute darstellt.

Diese auf den ersten Blick komplexe Struktur erklärt sich zum einen aus der Zusammenfassung von drei Landesarbeitsgemeinschaften unter dem Dach von Arbeit und Leben Niedersachsen. Zum anderen zeigt sie die Vielfalt der Arbeits- und Interventionsansätze in den Bereichen von Bildung und Beratung, von politischer, allgemeiner und beruflicher Bildung. Gleichzeitig – so erklärt es Maximilian Schmidt – bietet dieses Konstrukt die Möglichkeit, sich in verschiedensten Bereichen und Kooperationsbeziehungen flexibel zu bewegen, und dass bei größtmöglicher ökonomischer Absicherung für die Gesamtheit der Arbeitsfelder. Ein Gesichtspunkt im Übrigen, den auch Mehrdad Payandeh in unserem Gespräch am Donnerstagvormittag hervorhob. Auch wenn diese Darstellung auf den ersten Blick eher wie eine Unternehmensgliederung und -strategie eines durchaus großen Bildungs- und Beratungsunternehmens wirkt, so betont Maximilian Schmidt, dass Arbeit und Leben Niedersachsen sich als Bildung- und Beratungseinrichtung des Deutschen Gewerkschaftsbundes und seiner Mitgliedsgewerkschaften sieht. Als Leitmotiv gilt, ‚Menschen stark zu machen, damit sie ihren eigenen Weg gehen und unsere Gesellschaft demokratisch mitgestalten können‘, wie es auch als Anspruch auf der Homepage festgehalten ist.

Als erstes Beispiel politischer Bildung zur Stärkung und Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen und auch Erwachsener stellte die Kollegin Ronja Kiese das Projekt „Über Hassreden“ vor. Bei diesem Projekt mit einer Laufzeit vom 26.08.2024 bis zum 31.12.2025 ging es um Workshopentwicklung und Veranstaltungsreihen zu Hate Speech und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Durch die Unterstützung von Lehr- und Bildungsfachkräften mit Workshops und Materialien sollen insbesondere junge Menschen für Diskriminierung in sozialen Medien sensibilisiert werden. Wie wichtig dieses Thema heute insbesondere in schulischen, privaten und auch politischen Kontexten ist, zeigen die weltweiten Debatten und insbesondere die in der europäischen Union zur Kontrolle des Zugangs von Kindern und Heranwachsenden zu sozialen Medien und Kommunikationsplattformen. Auch wenn die Projektlaufzeit Ende des vergangenen Jahres auslief, können die erarbeiteten Materialien und Konzeptionen bei Arbeit und Niedersachsen über die Bildungskoordinatorin Ronja Kiese abgerufen (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) bzw. gemeinsame Workshops geplant werden.

Unter dem Schlagwort ‚wie wir Bildungszeit leben‘ fand dann am Mittwochnachmittag ein Rundgang durch den Stadtteil Hannover Linden statt, angeboten vom Bildungszeitreferenten Stefan Tiedtke, der auch pädagogischer Mitarbeiter in der Heimvolkshochschule Springe am Deister ist. ‚Gelebte Bildungszeit‘ bedeutet dabei wirtschaftliche, städtebauliche, politische und kulturelle Entwicklungen nicht nur theoretisch erfahrbar zu machen, sondern auch ganz praktisch, indem wir uns auf einem geführten Rundgang durch den Stadtteil Linden bewegten, sachkundig und mit vielen Erläuterungen begleitet. durch den Bildungszeitreferenten Und warum gerade am Beispiel von Hannover Linden? Hier lag im 19. Jahrhundert die Keimzelle der Industrialisierung der Region. Angefangen von Kalksteinbrüchen, Kalköfen und Ziegeleien, um den Auf- und Ausbau städtischer Zentren zu ermöglichen bis hin zu Eisengießereien und Maschinenfabriken bis hin zur Gründung der Hannoverschen Maschinenbau-Actien-Gesellschaft, ab 1904 die ‚Hanomag‘, die dann im März 1984 aufgrund des Konkurses der Baumaschinenfabrik IBH nach langen Abwehrkämpfen der Betrieblichen Interessenvertretung und der Gewerkschaften die Tore schließen musste. Schlussendlich übernahm das japanische Unternehmen Komatsu 1989 die noch bestehende Produktion und fertigt bis heute dort Radlader und andere Baumaschinen. Mit der industriellen Entwicklung wuchs und veränderte sich auch der Stadtteil Linden. Die Baugeschichte, kulturelle Entwicklungen bis hin zu einem heutigen Szeneviertel lässt sich heute noch in Straßenzügen und Stadtquartieren verfolgen und macht so – methodisch aufbereitet in einem Bildungszeitangebot - Geschichte mit all ihren positiven und negativen Auswirkungen auch sinnlich erfahrbar.

Ein weiterer Einblick in konkrete sozialpolitische Arbeit mit jungen Menschen von 15 bis 25 Jahren sind die von Arbeit und Leben Niedersachsen in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt Hannover, ProBeruf und der Waldhof Jugendhilfeeinrichtung der Region Hannover getragenen Pro-Aktiv-Center (Pace). Marion Diener als Projektleiterin sowie Luise Wolf und Dana Schiefke als Mitarbeitende gaben uns einen engagierten Einblick in Ansätze und Arbeit in den Zentren und dem ambulanten Angebot. Hier geht es um Beratung, individuelle Begleitung und Unterstützung bei allen Fragen zur persönlichen und beruflichen Situation junger Menschen. AuL Niedersachsen unterhält sechs (von insgesamt zwölf) Zentren im Nordwesten der Region Hannover. Hinzu kommt eine mobile Beratung, die unterschiedliche Orte, an denen sich Jugendliche aufhalten, anlaufen kann. Hierbei handelt es sich nicht um eine aufsuchende Jugendarbeit; die Jugendlichen müssen schon den Weg in die Beratungsstellen finden, sei es durch Hinweise in sozialen Netzwerken, durch Schulen und Behörden oder – was laut Aussagen der Kolleginnen aus den Centern mit am besten klappt – durch Mund-zu-Mund Propaganda. Dabei wird konkret geholfen bei der Bewältigung persönlicher Problemlagen, die Ausbildungs- oder Arbeitsaufnahme erschweren. Es geht um Möglichkeiten beruflicher Orientierung, Ausbildungs- und Arbeitsplatzsuche, Erstellung von Bewerbungsunterlagen, Kontaktaufnahme zu Betrieben, Klärung finanzieller Fragen und Umgang mit Behörden. Gerade wenn es um berufliche Orientierung geht, nutzen die Mitarbeiter:innen die Verbindungen, die Arbeit und Leben Niedersachsen zu Gewerk-schaften, zu Betriebsräten hat, um Zugänge zu den Betrieben und ggf. Praktika zu ermöglichen, Unterstützung in Berufsschulen zu organisieren. Gerade bei den seit Jahrzehnten hohen Schul- und Ausbildungsabbrecherquoten kommt diesem Berich politisch-sozialer Jugendarbeit eine hohe Bedeutung zu.

Am Donnerstagvormittag wurde nochmals die Präsentation der Gliederung von Arbeit und Leben Niedersachsen vom Vortag aufgegriffen. Die Debatte war geprägt von der Strukturdiskussion des großen und komplexen Gebildes Arbeit und Leben Niedersachsen. Neben Maximilian Schmidt hatte sich der noch amtierende Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft und ehemalige Bezirksvorsitzende des DGB Bezirks Niedersachsen/Bremen, Mehrdad Payandeh, Zeit genommen, mit den Freunden und Förderern über seine Sicht auf die Einrichtung zu diskutieren. Für den Kollegen Mehrdad Payandeh ist völlig klar, dass Arbeit und Leben die Bildungs- und Beratungseinrichtung des DGB und seiner Mitgliedsgewerkschaften in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen ist. Darin liegt für ihn auch das breite Spektrum der Arbeitsfelder begründet. Gleichzeitig hat er als gelernter Ökonom in den vergangenen Jahren auch immer die wirtschaftliche Stabilität der Einrichtung im Fokus gehabt, worin letztlich auch die Struktur von gGmbHs, GmbHs und Beteiligungen unter dem Dach des Vereins begründet ist. Es gilt für ihn, die Risiken, die gerade heute im Bereich der Förderung von Bildungs- und Sozialpolitik der aktuellen aber auch der Vorgänger-regierung auf nationaler Ebene deutlich werden, zu managen und ggf. auch abzufedern. Das kann seiner Meinung nach nur durch die Absicherung der wirtschaftlichen Basis über den Verein, durch die Nutzung eigener Immobilien überall dort, wo es möglich ist, geschehen. Nur durch enge Kooperationen und Verbindungen mit Gewerkschaften, Verbindungen zur Regional- und Landespolitik und letztlich auch zur regionalen Wirtschaft kann Arbeit und Leben als selbstbewusster Akteur im Politikfeld politischer, beruflicher und sozialer Bildung auftreten.

Auf diese Debatte erfolgte eine kurze Auswertung der gesamten Tagung. Die Teilnehmer:innen hoben die gute Organisation der Tagung, die hervorragenden Rahmenbedingungen in den Räumlichkeiten von Arbeit und Leben Niedersachsen, die kurzen Wege und die intensiven Einblicke in die Arbeit der Landearbeitsgemeinschaft sowie den offenen Diskurs über Struktur und Ansätze von Arbeit und Leben Niedersachsen hervor. Unseren ganz herzlichen Dank dafür nahm dann Joel Balazsi-Kraus für die Leitung und die beteiligten Kolleg:innen der Einrichtung entgegen. Neben den inhaltlichen Debatten haben wir auch des Wiedertreffen und Zusammensein mit den Teilnehmer:innen genossen. Bei den Mahlzeiten und Gesprächen an den Tischen gab einen lebhaften Austausch zum Programm und den eigenen Erfahrungen in den verschiedenen Bundesländern und Lebenswelten. Am Mittwochabend lud Arbeit und Leben Niedersachsen die Freunde und Förderer zu einem tollen Abendessen im Restaurant Meteora ein, wo wir in vielen Gesprächen einen angenehmen Abend genießen konnten.

Im Anschluss der Tagung fand dann noch die Mitgliederversammlung der FREUNDE und FÖRDERER von ARBEIT und LEBEN statt, bei der der Geschäftsbericht und die Bilanz für das Jahr 2025 vorgelegt und erläutert wurden. Der Vorstand bedankte sich bei den Teilnehmer:innen für die einstimmige Entlastung. Turnusgemäß standen 2026 auch wieder Wahlen zu Vorsitz, Stellvertretung und Vorstand, sowie zu den Revisor:innen an. Wiedergewählt wurde Willi Derbogen als Vorsitzender, Elvisa Kantarevic als stellvertretende Vorsitzende, Helmut Lanfgraf als Kassenwart, Rainer Christ als Schriftführer und Victoria Schnier und Frank Schott als Besitzer:innen. Zu Revisor:innen wurden Tatjana Botzat und Ingeborg Pörschke gewählt. Wir danken Anna Kisch, die in diesem Jahr als Revisorin ausgeschieden ist, an dieser Stelle ganz herzlich für ihr Engagement. Aus dem Kreis der Mitglieder wurde als Tagungsort für das kommende Jahr Berlin vorgeschlagen. Der Vorsitzende bedankte sich für die Wiederwahl und das Vertrauen der Mitglieder in die Arbeit und Vorstandes und wünschte den Anwesenden eine gute Heimfahrt.

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